Tizian Gräb

Der Fall „Erna Dorn“

KZ-Kommandeuse und Rädelsführerin des 17. Juni 1953 ?

Die vorliegende Seminararbeit thematisiert den Fall der Erna Dorn. Erna Dorn war eine in der Deutschen Demokratischen Republik verurteilte Kriegsver­brecherin, die am 22. Juni 1953 vom Bezirksgericht Halle wegen „faschistischer Kriegshetze“ zum Tode verurteilt und am 1. Oktober 1953 in Dresden durch das Fallbeil hingerichtet wurde. Sie soll den Volksauf­stand vom 17. Juni 1953, der von der SED offiziell als ein vom Westen organisierter faschistischer Putsch­versuch deklariert wurde, als Agentin mitgeplant und schließlich als „Rädels­führerin“ in Halle vorangetrieben haben. Zuvor wurde Erna Dorn bereits am 21. Mai 1953 wegen Verbrechen gegen die Mensch­lichkeit, ebenfalls vom Bezirks­gericht Halle, zu einer Haftstrafe von 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie bei der Gestapo gearbeitet haben und als Aufseherin in den Konzen­trations­lagern Ravensbrück und Lobositz tätig gewesen sein soll. Das Besondere am Fall Dorn ist, dass die verschie­denen Vorwürfe gegen sie ausschließlich aus angeblichen Selbstan­schuldi­gungen im Rahmen verschiedener Verhöre hervorgehen, die in den Ermittlungs­­akten des Ministeriums für Staats­sicherheit und der Polizei dokumentiert sind. Das Interessante daran: Die Aktenlage ist in vielen Punkten wider­sprüchlich und ungenau. Es besteht sogar die Vermutung, dass die Anschul­digungen gegen Erna Dorn nicht der Wahrheit entsprechen, sondern frei erfunden wurden, um den Volksauf­stand vom 17. Juni 1953 öffentlich als faschistischen Putsch­versuch darzustellen. Der Fall Dorn ist auch deshalb so beein­druckend, weil er sich vor weniger als 70 Jahren in Halle zugetragen hat. Handelt es sich also um einen Fall politischer Strafjustiz, wie er heute in Deutschland nicht mehr denkbar ist? Oder war Erna Dorn wirklich eine faschistische Kriegsver­brecherin? Das lässt sich heute aufgrund fehlender Beweise wohl nicht mehr zweifelsfrei beantworten. In dieser Arbeit wird der Werdegang der Erna Dorn mit den verschiedenen Vorwürfen gegen sie dargestellt. Dabei werden die Aktenlage der Ermittlungs­behörden und die darin vorkommenden Unstimmig­keiten und Widersprüche aufgezeigt, so dass der Leser zu einem eigenen Urteil gelangen kann.


Blick ins Buch | PDF

1. Auflage 2017
broschierte Ausgabe, 37 Seiten
ISBN 978-3-86977-149-6

9,80 €

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