Kerstin Schimanski

Der Hallenser Strafvollzugs­reformer Heinrich Balthasar Wagnitz (1755–1838)

Geschlechterspezifische Aspekte der Entwicklung des Strafvollzuges

„Je mehr in einem Staate die Strafen zur Besserung der Verbrecher wirken, desto vollkom­mener ist er.“ Zu dieser Erkenntnis gelangte der hallesche Strafvoll­zugsre­former Heinrich Balthasar Wagnitz in seinem Werk „Über die moralische Verbesserung der Zuchthaus-Gefangenen“ bereits im Jahr 1787.

Auch heute, 230 Jahre später, normiert § 2 Satz 1 des Strafvoll­zugsge­setzes, dem Gesetz über den Vollzug der Freiheits­strafe und der freiheits­entzie­henden Maßregeln der Besserung und Sicherung, die Resoziali­sierung als einziges und damit oberstes Vollzugsziel. Der Gefangene soll fähig werden, künftig in sozialer Verant­wortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Wenn auch nicht mit „Resozia­lisierung“ betitelt, strebte auch Wagnitz unter den Leitmo­tiven der Rückfall­verhütung und sozialen Wiederein­gliederung des Täters eben dieses Vollzugs­konzept an.

Aber wie ist es mit „der Täterin“? Die weiblichen Strafge­fangenen machen nur knapp 6 Prozent der rund 55.000 Inhaftierten in Deutschland aus. Muss der Strafvollzug der Frau im Hinblick auf eine erfolgreiche Resozia­lisierung anders, geschlechter­spezifisch ausgestaltet werden? Der Frauen­kriminalität, ihrer Sanktion und Prävention kommt statistisch nur eine unterge­ordnete Rolle in der Kriminologie und Strafver­folgung zu. Steht dies dem grund­rechtlich geschützten Gleichheits­grundsatz des Art. 3 Absatz 1 GG, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln, entgegen?

Hat Wagnitz die Geschlechter­frage in seinen Überlegungen erwogen? Hat er geschlechter­spezifische Aspekte erkannt, diese benannt und entsprechende Differen­zierungen vorgenommen? Die Auseinander­setzung mit der Person Wagnitz, seinem frühneu­zeitlichen Reformierungs­gedanken und seinem Wirken als Zuchthaus-Prediger ermöglichen die Beantwortung dieser Fragen. Sie beleuchtet seinen Anteil an der Entwicklung des Strafvoll­zuges bis hin zu heutigen geschlecht­lichen Differen­zierungen im Vollzugswesen.


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1. Auflage 2017
broschierte Ausgabe, 43 Seiten
ISBN 978-3-86977-154-0

9,80 €

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