Slaje | Vájra
Slaje | Vájra

Walter Slaje

Vájra

Zur Schleuderwaffe im Rigveda

Die vorliegende Studie befaßt sich mit der charak­teris­tischen Waffe des Indra, des mäch­tigsten Gottes im Pantheon der rigve­dischen Religion. Die Natur dieser als vájra bezeich­neten Waffe ist unge­klärt. Das Spek­trum der bis­herigen Deutungs­versuche reicht vom Blitz bzw. Donner­keil über den Knüppel und die Harpune sowie von anthro­pomor­phen Scheiben­figuren aus Kupfer bis hin zur kupfer­nen oder bron­zenen Keule. Betrachtet man jedoch die Eigen­schaften, Hand­habung und Wirkung, die mit einem vájra in Verbin­dung gebracht werden, so kann keine dieser Gleich­set­zungen in waffen­tech­nolo­gischer oder ballis­tischer Hinsicht den physika­lischen Gesetzen genügen, die bei einer realen Waffe zur Geltung kämen.

Vor diesem Hintergrund wird hier der Frage nach­gegangen, ob es sich beim vájra nicht um eine Waffen­gattung gehandelt haben könnte, die in der kultur­geogra­phischen Umge­bung des Veda in altorien­talischer und antiker Zeit verbreitet und gebräuchlich war. Der vájra wäre damit keine exklusive Waffe nur der vedischen Inder, sondern eine altbe­währte Distanz­waffe gewesen. Eine solche Waffe war die Hand­schleuder. Der Vergleich mit ihren Merk­malen erlaubt Rück­schlüsse auf den vájra. Seine Eigen­schaften lassen sich mit den Stein­geschossen des Rigveda und mit jenen der Alten Welt plausibel in Einklang bringen. Insbe­sondere trifft das auf Hand­habung, Geräusch­kulisse, Aufprall­wirkung und das Metall zu, aus dem ein vájra hergestellt wurde. Als Metall liegt Bleierz nahe, aus dem auch antike Schleuder­bleie gegossen wurden.

Im engeren Sinne wird vájra ein Ausdruck für extrem weit­tragende, aus Blei gegos­sene und speziell bearbeitete Schleuder­geschosse mit hoher Durch­schlags­kraft gewesen sein, die den älteren Stein­geschossen deutlich über­legen waren und in den Augen der Dichter offenbar eine Art waffen­techno­logischer Inno­vation darstellten.

In einem mehr allgemeinen Sinn aber bezeichnet vájra die Schleuder­waffe schlecht­hin und ist nicht zwingend auf das Projektil allein beschränkt.


Leseprobe     Summary in English

Studia Indologica Universitatis Halensis | Band 21
1. Auflage
gebunden, 110 Seiten, 27 Abbildungen
ISBN 978-3-86977-253-0

69,00 €



Anzahl