Effertz | Wolffs Theorie der ethischen Tugenden
Effertz | Wolffs Theorie der ethischen Tugenden

Dirk Effertz

Wolffs Theorie der ethischen Tugenden


Christian Wolff (1679–1754) gilt als die zentrale Gestalt der Philo­sophie­geschichte zwischen Leibniz und Kant. Zwar zeichnet sich in jüngerer Vergan­genheit eine Belebung der Wolff-Forschung ab, doch fehlt bislang eine Aufar­beitung seines Spät­werks zur Ethik. Vorlie­gende Studie will diesem Desiderat genügen, indem sie Wolffs verzweigte und abschreckend weit­läufige Theorie auf das Wesen­tliche reduziert und in den geschicht­lichen Tradi­tions­raum stellt. Im Anmer­kungs­apparat werden Hinweise auf deren Entwick­lungs­geschichte geboten. Der Mangel an Sekundär­literatur wird kom­pensiert durch die Angabe von Paral­lelen bei den Zeit­genossen Johann Christoph Gottsched (1700‍–‍1766), Alexander Gottlieb Baumgarten (1714‍–‍1762) und Georg Friedrich Meier (1718‍–‍1777). Die histo­rische Veror­tung konzen­triert sich auf die Neuzeit, stellt aber auch Bezie­hungen zur Antike und zum Mittel­alter her.

Es ist wohl nicht möglich, Wolffs komplexen Beitrag zur prak­tischen Philo­sophie und Ethik auf eine griffige Formel zu bringen. Genannt seien aber sein prinzi­pien­theo­retischer Plura­lismus, der über das Klischee einer bloß auf den Begriff der Voll­kom­menheit gegrün­deten Moral­philo­sophie hinaus­führt. Eine grund­legende und für die Weiter­ent­wick­lung von Ethik und Ästhetik wegwei­sende Idee ist ferner die Harmonie von Ethos und Pathos, von Ratio­nalität und Affek­tivität.

In der aus der Arbeit an Wolffs Texten resul­tie­renden Einlei­tung werden einige histo­rische und syste­ma­tische Fragen weiter­geführt. Es soll dem Eindruck ent­gegen­gewirkt werden, dass Wolffs ethische Theorie nur noch von antiqua­rischem Inte­resse sei. Sie ist als eine – auch gegenüber Kant – ernst zu nehmende Position aufzu­fassen. In metho­dolo­gischer Hinsicht kann man sie an den gegen­wärtigen ethischen Intuitio­nismus anschließen.


Leseprobe

Perspektiven der Aufklärung | Band 6
1. Auflage 2025
broschiert, 214 Seiten
ISBN 978-3-86977-296-7

39,80 €

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