Martin Clauss

Adversarii ecclesiae, aufstrebende Territorial­herren und gläubige Kirchenreformer

Kirche im Mittelalter bedeutete zunächst – neben ihrer Funktion als Kultort – Sicherung und Organi­sation christ­licher Frömmig­keits­praxis, hieß Verwal­terin der Sakra­mente und Hüterin des gött­lichen Gnaden­schatzes zu sein, für deren gerechte Austeilung sie einzu­stehen hatte, und sie war damit zugleich Legiti­mations­instanz weltlicher Herrschaft. Neben diesen geistlichen Aufgaben, den spiritualia, fielen ihr über die Jahrhun­derte seit ihrem Bestehen in römischer Zeit zuneh­mend weltliche Aufgaben zu – temporalia – und übte sie zuneh­mend selbst weltliche Herrschaft über Land und Leute aus.

Kirchenrechtlich war das ein Problem, für das Lösungen gefunden werden mussten. Geistliche konnten und durften nicht ohne weiteres weltliches Recht sprechen und gar Blut­ge­richts­barkeit ausüben; sie selbst unter­lagen welt­lichem Recht nicht. Zur Lösung solcher Probleme gehörte das Institut der Kirchen­vogtei, das Laien zugäng­lich war und weltliche Hand­habungen und Herrschaft für die Kirche und Ihre geistlichen Digni­täten ermög­lichte. Martin Clauss widmet sich in seinem Fest­vortrag eben diesem zentralen Phänomen, das im Hoch­mittel­alter eine differen­zierte Aus­prägung erfährt, dessen kaum zu über­schät­zende Bedeutung für das Ver­ständ­nis von Kirche und Welt nicht allein – wie bislang in der Forschung – aus verfas­sungs- und (kirchen)rechts­histo­rischer Per­spek­tive erfasst werden kann, sondern, wie Clauss zu zeigen versucht, metho­disch erst in Verbin­dung mit sozial- und kultur­histo­rischem Zugriff unserem Ver­ständ­nis für diese Form der Ver­knüp­fung von geist­licher und weltlicher Sphäre zugänglich macht.


Leseprobe | PDF

Vorträge im Europäischen Romanik Zentrum | Band 7
1. Auflage 2019
broschiert, 49 Seiten
ISBN 978-3-86977-196-0

10,80 €

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