Fachzeitschrift RP-Reha | Ausgabe 2/2020 – Schwerpunkt: Aktuelle Entwicklungen in der Heilmittelversorgung
Fachzeitschrift RP-Reha | Ausgabe 2/2020 – Schwerpunkt: Aktuelle Entwicklungen in der Heilmittelversorgung

RP Reha 2/2020 – aktuelle Ausgabe

Schwerpunkt

Aktuelle Entwicklungen in der Heilmittelversorgung

E D I T O R I A L

Liebe Leserinnen und Leser,

dem Anspruch dieser Zeitschrift, Recht und Praxis der Rehabili­tation zusammen­zudenken, entspre­chend finden Sie in dieser Ausgabe Artikel aus unter­schied­lichen Perspek­tiven, die ganz wesen­tlich durch praktische Erfah­rungen in ganz verschie­denen Kontexten geprägt sind. Gemein­samer Bezugs­punkt ist die Versor­gung mit den notwen­digen Leistungen zur Förde­rung der Teilhabe, die auch Leistungen der Kranken­behand­lung umfas­sen können: Heilmittel, medi­zinische Rehabili­tation einschließ­lich Früh­förderung und Assistenz­leistungen.

Diese Leistungen haben für die Versorgung der GKV-Versicherten bei sehr unter­schied­lichem Umfang eine erheb­liche Relevanz, geht es doch z.T. um erheb­liche quanti­tative Dimen­sionen: Während 2018 bei den Heilmitteln 7,58 Mrd. Euro (3,35 Prozent der GKV-Aus­gaben) aufge­wendet wurden und in Form von 37,2 Mio. Rezepten für ca. jeden fünften Versi­cherten anfielen, wurden bei ca. 650.000 Fällen stationärer und ca. 92.000 ambu­lanter Rehabili­tation nur ca. 1.700 Maß­nah­men der Mobilen geria­trischen Rehabili­tation an nur 18 Stan­dorten geleistet.

Heilmittel werden von knapp 67.000 Leistungs­anbietern angeboten, davon ca. 9.000 für Ergo­therapie. Jedes zehnte Kind erhält im Jahr mind. eine Verord­nung für Ergo­therapie. Ca. 120.000 Kinder erhalten mindes­tens 1x jährlich eine Leistung der Früh­förde­rung, ca. 45.000 eine Leistung der med. Rehabili­tation. Ca. 400.000 Menschen erhalten Unter­stüt­zung beim Wohnen und mehr als 300.000 in WfbM im Rahmen der Eingliede­rungs­hilfe. Die Zahlen zeigen die Bedeutung solcher Leistungen für die Teil­habe­förde­rung.

Die Grundlage für dieses Versorgungs­system bildet das umfassende Recht der Rehabili­tation bei sehr ver­zweig­tem Leistungs- und Leistungs­erbringer­recht. Dessen Möglich­keiten werden jedoch nicht voll ausge­schöpft und ein naht­loses und teilhabe­orien­tiertes Ineinan­der­greifen ist nicht durch­gängig gewähr­leistet. Die Beiträge in diesem Heft zeigen Entwick­lungen und Hand­lungs­optionen auf.

S. Schürkens und S. Häfner analysieren die erheb­lichen Verände­rungen der Heilmittel­richtlinie des G-BA, die ab 1.10.2020 die Heilmittel­ver­sorgung neu ordnen. Dabei wird deutlich, welche Rolle die Patienten­vertre­tung im G-BA spielen kann, die dort struk­turell und organi­satorisch fest verankert ist. Wie sich die ICF zur teilhabe­orien­tierten Heilmittel­erbrin­gung einsetzen lässt und mit dem Berufsbild der Ergo­therapie stark korres­pondiert, wird im Beitrag von B. Hucke anschaulich. Mit der Förderung und Behandlung von Kindern und Jugend­lichen in thera­peutischer Praxis, Kita, Früh­förde­rung sowie der med. Rehabili­tation beschäftigt sich T. Steffens. Es wird u.a. deutlich, dass es der regionalen Vernet­zung bedarf, damit Kinder und Jugend­liche und ihre Familien die notwendige Unter­stüt­zung erfahren können. R. Siegert befasst sich syste­matisch mit dem Unter­schied zwischen Heilmittel­erbrin­gung im häus­lichen Kontext und der mobilen Rehabili­tation, die sich oft einem Recht­ferti­gungs­druck gegen­über der ambulanten Versor­gungs­praxis ausge­setzt sieht. Mit der Recht­sprechung des Bundes­sozial­gerichts zum Verhältnis von Leistungen der sozialen Teilhabe, speziell zur Teilhabe an Bildung, und der medizi­nischen Rehabili­tation am Beispiel der Petö-Therapie setzt sich G. Kuhn-Zuber auseinander. Hier werden grund­sätz­liche Abgren­zungs­fragen erörtert. M. Schmidt-Ohlemann beschäftigt sich mit den Grund­lagen und der prak­tischen Umset­zung von Behand­lung und Teilhabe­förde­rung im Verhältnis v.a. von befähi­genden Assistenz­leistungen zu Heil­mitteln und konkre­tisiert die Aufgaben therapeu­tischer Berufe im Rahmen der Eingliede­rungs­hilfe. Die damit verbun­denen Abgren­zungs­fragen spielen in der Praxis der Eingliede­rungs­hilfe eine große Rolle. Über das Projekt „Dementia Care Nurse“ berichtet S. Heinrich. Im Projekt werden Menschen mit Demenz und deren Ange­hörige beraten und unterstützt. Der eigentlich geplante Beitrag von J. Behrens zur Kompe­tenz von Teilhabe­förde­rung in Gesund­heits­berufen und ihrer Aus­bildung, der wesen­tliche Ergebnisse der europä­ischen BMBF-Studie von Lehmann et al. 2014 und 2016 aufgreift, wird wegen Platz­mangels voraus­sichtlich in der nächsten Ausgabe erscheinen.

Ich danke allen Autorinnen und Autoren sowie dem Redaktions­team für ihre engagierte Beteiligung und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr
Matthias Schmidt-Ohlemann

 

I N H A L T

Sozialpolitik und Rehabilitation

Die G-BA Heilmittel-Richtlinie
2020: Viel Neues für GKV-Versicherte


Rechtsprechung

Abgrenzung der Leistungen zur Sozialen Teilhabe von den Leistungen der medi­zinischen Rehabilitation
Urteil des Bundessozialgerichts vom 28. August 2018 – B 8 SO 5/17 R

Rechtsprechungsübersicht


Praxis der Rehabilitation

Heilmittel mit Hausbesuch oder mobile Reha – eine echte Kontroverse?

Aus Forschung und Praxis

Zum Verhältnis von Heilmitteln nach § 32 SGB V und der Tätigkeit therapeutischer Berufe zu befähigenden Assistenzleistungen nach § 78 SGB IX

Aspekte der Versorgung chronisch kranker Kinder und von Kindern mit (drohender) Behinderung mit Heilmitteln und rehabilitativen Leistungen

„Dementia Care Nurse“: Aufsuchende Hilfe für Menschen mit Demenz und ihre Ange­hörigen in der Region Halle, Anhalt-Bitterfeld und Saalekreis

Die ICF: ein Glücksfall für die Ergotherapie – und umgekehrt!


Infothek

Aktuelles aus der Praxis der Rehabilitation
Aus dem Diskussionsforum Rehabilitations- und Teilhaberecht
Veranstaltungen
Neuerscheinungen und Literaturempfehlungen


 

RP Reha | Ausgabe 2/2020
72 Seiten
ISSN 2366-7877
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