Fachzeitschrift RP-Reha | Ausgabe 3/2020 – Schwerpunkt: Corona – Herausforderung für den Sozialstaat?
Fachzeitschrift RP-Reha | Ausgabe 3/2020 – Schwerpunkt: Corona – Herausforderung für den Sozialstaat?

RP Reha 3/2020 – aktuelle Ausgabe

Schwerpunkt

Corona – Herausforderung für den Sozialstaat?

E D I T O R I A L

Corona – nur eine Störung oder auch eine Herausforderung für den Sozialstaat?

Liebe Leserinnen und Leser,

in unserem sorgfältig austarierten redaktionellen Jahresplan hatten wir uns vorge­nommen, Heft 3/2020 mit dem Schwer­punkt zur Neujus­tierung der Ein­glie­de­rungs­hilfe nach §§ 90 ff. SGB IX zu veröffent­lichen. Mitte März erfolgte durch die Pande­mie ein inten­siver und abrupter Lock­down, der sich auch auf zah­lreiche Reha­bilita­tions­maß­nahmen erstreckte. Inzwischen haben erste Bemü­hungen, zum Beispiel von DGRW und DVfR, begonnen, um eine Bilanz des Corona-Lockdown für die Reha­bili­tation zu ziehen und mögliche Schluss­folge­rungen zu diskutieren. Etwas schneller war das Europäische Parlament, das dazu bereits einen ersten Beschluss am 18. Juni 2020 gefasst hat, der in diesem Heft von Alexander Tietz erläutert wird.

Uns erschienen diese Ereignisse so wichtig, dass wir unsere redaktio­nelle Planung geändert haben. Wir beginnen jetzt mit einem Beitrag von Wolfhard Kohte zu den Heraus­forde­rungen der Reha­bili­tation in der Corona-Krise, der die Auswir­kungen auf die Situation von Menschen mit Be­hin­de­rungen beschreibt und erste Anstöße für mögliche Diskus­sionen und Konse­quenzen formuliert. Er kon­frontiert den abrupten und umfas­senden Lock­down mit den rechts­staatlichen Anforde­rungen des Verhältnis­mäßig­keits­grund­satzes und den sozial­staat­lichen Notwen­dig­keiten inklusiver Beschäf­tigung. Er verlangt die Beachtung der Partizi­pation und kritisiert die Belas­tung der Familien ohne hinrei­chende Unter­stützung und Beratung. Ergänzt wird dieser Beitrag durch zwei konkrete Berichte zur inklusiven und digitalen Bildung in Zeiten der COVID-19-Pandemie von Claudia Paul und Ruth Wiegering sowie durch ein Interview mit der Stadt­mission Halle zu den pande­miebe­dingten Heraus­forde­rungen im Bereich der Rehabili­tation dieses wichtigen Leistungs­erbringers.

Die Fragen der Eingliederungshilfe sind uns nicht abhanden gekommen. In dem Beitrag von Claudia Beetz werden die Leistungen der Mobilität als Leistung der sozialen Teilhabe im Rahmen der Eingliede­rungs­hilfe erörtert und anhand neuer Recht­sprechung syste­matisiert. In dem Abschnitt zur Recht­sprechung mit Anmerkungen wird zunächst von Christian Weber die Zuerkennung des Merk­zeichens „aG“ bei einer Autismus-Spektrum-Störung eines Kindes diskutiert und danach von Sören Hohner eine Entschei­dung zur Verpflich­tung der Bundes­agentur für Arbeit, Leistungen einer Studien­assistenz zu gewähren, referiert, die an frühere Diskus­sionen in unserer Zeitschrift anknüpft.

Im Interesse der Kontinuität unserer Diskus­sionen zur Forschung und Praxis der Rehabili­tation haben wir zwei umfang­reiche Beiträge aufge­nommen. In dem von einer Autoren­gruppe um Christoph Egen einge­reichten Beitrag wird die Versorgung nach Major­amputation der unteren Extremität analysiert. Es handelt sich um ein Zwischen­fazit eines Praxis­berichts aus einem G-BA-Innovations­fondprojekt, der zunächst für die Mehrzahl der Leistungs­träger – mit Ausnahme der Unfall­versicherung – eine rehabilitative Lücke zwischen Akut­versorgung und Rehabili­tation diagnostiziert und diskutiert, wie im Zusammen­wirken der verschie­denen Professionen und mit Hilfe eines Care-Management diese Lücke verringert werden kann.

In dem Beitrag von einer Autorengruppe um Wolfgang Schneider wird die neue, Ende 2019 publizierte AWMFLeitlinie zur Begut­achtung psychischer und psycho­soma­tischer Störungen vorgestellt. Diese Überar­beitung der 2012 erstmals erstellten Leitlinie soll die Qualitäts­sicherung verbessern und einen Rahmen für die Begut­achtung der viel­fältigen Trauma­folge­störungen setzen. Insoweit ergänzt der Beitrag unser Heft 3/2019 zum neuen Recht der Opfer­entschä­digung.

Wir hoffen, dass wir mit einer solchen Kombination aktueller, alltäglicher und grund­sätz­licher Fragen allen Interessen aus dem Leserkreis gerecht werden.

Ihr
Wolfhard Kohte

 

I N H A L T

Sozialpolitik und Rehabilitation

Herausforderungen der Rehabilitation in der Corona-Krise
Statusbericht über die Herausforderungen und Erfolge der Qualifizierung von Menschen mit sog. geistigen Behinderungen bzw. Lernbeeinträchtigungen im Home-Office

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die praktische Arbeit der Eingliederungshilfe
Elke Ronneberger, Geschäftsführerin der Evangelischen Stadtmission Halle Eingliederungshilfe gGmbH, im Intervie
w

Rechtsprechung

Zuerkennung des Merkzeichens „aG“ für eine außergewöhnliche Gehbehinderung bei einer Autismus-Spektrum-Störung eines Kindes
Urteil des Sozialgerichts Gießen vom 30.01.2020 – S 16 SB 110/17

Die Studienassistenz als „neue“ Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben nach § 49 Abs. 3 SGB IX

Rechtsprechungsübersicht


Praxis der Rehabilitation

Leistungen der Mobilität als Leistungen zur Sozialen Teilhabe im Rahmen der Eingliederungshilfe


Aus Forschung und Praxis

Versorgungskonzept zur Schließung der rehabilitativen Lücke nach Majoramputation der unteren Extremität
Praxisbericht aus einem Innovationsfondsprojekt des Gemeinsamen Bundesausschusses

Neue AWMF-Leitlinie zur Begutachtung psychischer und psychosomatischer Störungen

Internationales

Rechte von Menschen mit Behinderungen im europäischen Kontext
Die Entschließung des EU-Parlaments vom 18.06.2020 aus rechtlicher Perspektive


Infothek

Aktuelles aus der Praxis der Rehabilitation

Aus dem Diskussionsforum Rehabilitations- und Teilhaberecht

Veranstaltungen

Neuerscheinungen und Literaturempfehlungen


 

RP Reha | Ausgabe 3/2020
72 Seiten
ISSN 2366-7877
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