RP Reha 1/2026

Schwerpunkt

Gewaltschutz – Prävention, Rehabilitation und Teilhabe

E D I T O R I A L

Liebe Leserinnen und Leser,

Demokratie, Sozialstaat, Menschenrechte und die rechts­staat­lichen Institu­tionen sind aktuell in einem akuten Stresstest, der auch im Forschungs- und Arbeitsfeld der Rehabili­tation dringend behandelt werden muss, zum einen, weil die Rechte von Menschen mit (drohenden) Behinde­rungen bzw. deren finan­zielle Absiche­rung durch Sozial­leistungen massiv in Frage gestellt werden, aber auch, weil die gegen­wärtigen multiplen Krisen die Verant­wort­lichen für Prävention und Rehabili­tation besonders heraus­fordern, Schäden zu vermeiden und Gesundheit wieder­herzu­stellen und selbst­bestimmte Teilhabe zu ermög­lichen. Mit dem aktuellen Heft versuchen wir, unter der Überschrift „Gewaltschutz – Prävention, Rehabili­tation und Teilhabe“ die Band­breite des Spektrums wissen­schafts­basiert zu reflektieren.

Wer gewaltsam gesundheitlich geschädigt worden ist, soll Unter­stützung, Hilfen und Entschä­digungen durch Leistungen der Sozialen Entschä­digung erhalten. Zur Reform des Sozialen Entschä­digungs­rechts (SGB XIV) haben wir in RP Reha Heft 2/2024 berichtet. Josephine Jellen und Heike Ohlbrecht themati­sieren nun anhand des gewalt­samen Anschlags auf hunderte Menschen auf dem Magde­burger Weih­nachts­markt die Bewäh­rungs­probe für diese Reform und setzen sich mit dem Begriff von Gesundheit ausein­ander. Sie heben hervor, dass Betroffene die staatliche Unter­stüt­zung als hilfreich, aner­kennend und ent­lastend oder aber als zusätz­liche Belastung erleben werden, je nach Partizi­pation ange­sichts höchst subjek­tiver Gesund­heits­vorstel­lungen. Mit der straf­recht­lichen Aufar­beitung solch vorurteils­motivierter Gewalt­taten befasst sich Johannes Krümpelmann. Er erläutert das Konzept der Restorative Justice, die, weiter­gehend als der bisher im deutschen Straf­prozess veran­kerte Täter-Opfer-Ausgleich, die Bedürf­nisse von direkt und indirekt Gewalt­betrof­fenen und die Verant­wortungs­über­nahme von Täter*innen und Gesel­lschaft in den Blick nimmt. Wir nutzen diese Ausgabe auch für einen Beitrag aus der Wissen­schaft in der gegen­wärtigen Diskus­sion über die Leistungs­fähig­keit des Sozial­staates. Die Arbeits­gemein­schaft Recht und Politik der Rehabili­tation der Deutschen Gesel­lschaft für Rehabili­tations­wissen­schaften e.V. nimmt in der Debatte um den Kosten­druck im Bereich der Einglie­derungs­hilfe fakten­basiert Stellung gegen unsach­liche Äuße­rungen und gegen Infrage­stellungen des Rechts auf selbst­bestimmte Teilhabe auch für Menschen mit Behinde­rungen.

Franz Kluge bespricht eine Entscheidung des Ober­ver­waltungs­gerichts Sachsen. Darin geht es um die im Zuge des Kinder- und Jugend­stärkungs­gesetzes verbes­serten Voraus­setzungen zur Inanspruch­nahme von SGB VIII-Leistungen für junge Menschen auch nach Vollendung des 21. Lebens­jahres. Und abger­undet wird dieses Schwer­punkt­heft mit einer Beschrei­bung von Kon­zepten zum Schutz vor sexueller Gewalt in Schulen. Paula Vogel stellt die schul­program­matischen Entwick­lungen in Deutschland dar und weist auf die Bedeutung der aktiven Partizi­pation von Schüler*innen an diesem Entwick­lungs­prozess hin.

Das letzte Schwerpunktheft hatten wir unter die Überschrift „Kinder und andere margi­nali­sierte Gruppen“ gestellt. Der Beitrag von Klaus-Peter Zimmer, Hans Kudlich und Johanna Hahn zum Instru­ment der sog. ein­richtungs­bezogenen Patienten­aufklärung war zwei­geteilt. Hier finden Sie nun Teil 2 des Beitrages. Die Erläute­rungen lassen sich direkt für das Gewalt­schutz­thema fruchtbar machen. Denn gerade für gewalt­betrof­fene Kinder und Jugend­liche ist es elementar, dass die „Leistungen der schnellen Hilfen“ als ein Herzstück der Reform des Sozialen Ent­schädi­gungs­rechts auch bedarfs­gerecht zur Verfügung gestellt werden, sprich Trauma­ambu­lanzen auch speziell für Kinder und Jugend­liche vorge­halten werden u.v.m.

Katja Nebe

 

I N H A L T

Sozialpolitik und Rehabilitation

Wenn Menschen mit Behinderungen zum (Kosten)Problem gemacht werden
Eine kritische Stellungnahme zur aktuellen Debatte um Leistungen der Eingliederungshilfe, von der Arbeitsgruppe Recht und Politik in der Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften

Rechtsprechung

Anspruch auf Weitergewährung von erbrachten Hilfeleistungen gem. § 41 abs. 1 SGB VIII über das 21. Lebensjahr hinaus
Anmerkung zu OVG Sachsen, Beschluss vom 11.11.2024 – 3 B 178/24

Rechtsprechungsübersicht

Praxis der Rehabilitation

Behandlungsstandards der Kinder- und Jugendmedizin als Inhalte der einrichtungsbezogenen Patientenaufklärung
Teil 2: Hilfen zur Sicherstellung der Behandlungsstandards

Aus Forschung und Praxis

Was Gesundheit bedeutet
Die Rolle des Gesundheitsbegriffs in der qualitativen Forschung zu Sozialer Entschädigung am Beispiel des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt

Vorurteilsmotivierte Gewalt
Eine kritische Analyse strafrechtlicher Instrumente und konzeptioneller Alternativen zur Überwindung der Täter-Opfer-Dichotomie

Schulische Schutzkonzepte und Stellenwert der Partizipationsrechte von Schüler*innen – eine Bestandsaufnahme zum institutionellen Schutz vor sexueller Gewalt

Infothek

Aktuelles aus der Praxis der Rehabilitation

Aus dem Diskussionsforum Rehabilitations- und Teilhaberecht

Veranstaltungen

Neuerscheinungen und Literaturempfehlungen


V O R S C H A U

RP Reha 1/2026
Schwerpunkt: Zugang zum Arbeitsmarkt durch inklusive Hochschulen
erscheint im Mai 2026


 

RP Reha | Ausgabe 1/2026
64 Seiten
ISSN 2366-7877
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