Fachzeitschrift RP Reha 2/2026 | Schwerpunkt: Zugang zum Arbeitsmarkt durch inklusive Hochschulen
Fachzeitschrift RP Reha 2/2026 | Schwerpunkt: Zugang zum Arbeitsmarkt durch inklusive Hochschulen

RP Reha 2/2026

Schwerpunkt

Zugang zum Arbeitsmarkt durch inklusive Hochschulen

E D I T O R I A L

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Heft fasst Texte zusammen, die für den Beitrag der Hoch­schul­bildung für einen inklu­siven Arbeit­smarkt relevant sind. Dieses Thema ist in den letzten Jahren sicht­barer geworden, weil auch in Schule und Arbeits­markt der Anspruch auf Inklusion politisch und rechtlich stärker diskutiert wird. Insofern ist es positiv, dass heute Probleme sichtbar werden, die es früher seltener gab, weil Menschen mit Beein­träch­tigungen die Hoch­schulen gar nicht erreichten, oder bei denen Beein­träch­tigungen und Behin­derungen erst heute stärker thema­tisiert werden. Letzteres gilt gerade für psychische Krank­heiten und Behin­derungen.

Auch wenn wir aus den Untersuchungen „beein­träch­tigt studieren“ im Auftrag des Deutschen Studie­ren­den­werkes mittler­weile stabile Daten haben, die belegen, dass zwischen 10 und 20 Prozent der Studie­renden gesund­heitliche Beein­träch­tigungen haben, die ihr Studium zusammen mit Barrieren behindern, besteht noch immer großer Forschungs­bedarf. Die Rehabili­tations-, Bildungs-, Sozial­politik- und Arbeits­markt­forschung beginnen erst, sich des Themas anzu­nehmen. Nicht nur die Institu­tionen der Rehabili­tation, auch Forschung und Forschungs­förderung tun sich mit Schnitt­stellen schwer. Shweta Mishra gibt Einblicke zum Forschungs­tand. Das Thema „Behin­derung“, gerade in kritischeren Formen, ist zudem an den Hoch­schulen von Kür­zungen bedroht, noch ehe es richtig modisch werden konnte, wie der Beitrag von Marianne Hirschberg zu den Disability Studies aufzeigt.

Dokumentiert wird die Empfehlung der Hoch­schul­rektoren­kon­ferenz zum Nach­teils­ausg­leich in Prüfungen mit einer Bewertung von Olaf Muthorst. Dieses Thema ist in den Hoch­schulen, in der Hoch­schul­politik und in der Recht­sprechung hoch umstritten, wie auch die kritische Bespre­chung einer Entschei­dung des VG Wiesbaden zur zweiten juris­tischen Staats­prüfung von Alexander Tietz zeigt. Die Impulse aus Grund­gesetz und UN-Behinder­ten­rechts­kon­vention, so wird deutlich, müssen nicht nur in der Gesetz­gebung, sondern auch in der Gesell­schaft ankommen. Exklusivität wird dabei auch und gerade in akade­mischen Milieus immer noch und schon wieder gepflegt.

Die Beiträge von Dörte Busch aus der HWR Berlin und von Lea Raak und Eddy Steinfeldt-Mehrtens aus der Universität Kiel zeigen beacht­liches Engage­ment einzelner Hoch­schulen und ihrer Leitungen. Aber täuschen wir uns nicht: In der Breite fehlt es an stabilen und nach­haltigen Struk­turen, die die Hoch­schulen inklu­siver machen. Eine Verschie­bung von Verant­wortung für Assis­tenz und inte­grierte Teilhabe von den unter­stüt­zenden Sozial­leistungs­trägern Eingliede­rungs­hilfe und Bundes­agentur auf die Hoch­schulen ließe die Betrof­fenen oft ins Leere greifen. Geradezu abent­euerlich wäre es, in der gegen­wärtigen Lage die Jugend­ämter damit zu betrauen.

Insgesamt wird gerade deutlich: Die Jahre, in denen Rehabili­tation und Teil­habe keine Leistungs­kür­zungen befürchten mussten, sind erst einmal vorbei. Umso wichtiger ist es, dass ihre Akteure und die an ihnen Interes­sierten sie sich fach­kundig und selbst­bewusst zu Wort melden.

Felix Welti

 

I N H A L T

Sozialpolitik und Rehabilitation

Nachteilsausgleich in einer Hochschule für Alle
Empfehlung der 41. Mitgliederversammlung der Hoch­schul­rektoren­konferenz am 4.11.2025 in Osnabrück

Kommentar zur Empfehlung der HRK „Nachteils­aus­gleich in einer Hoch­schule für Alle“

Die hochschule der Vielfalt nach § 5b Berliner Hoch­schul­gesetz und die Bedeu­tung des Studieren­den­werks Berlin
unter besonderer Berücksichtigung der Belange von Studien­bewer­be­rinnen und Studien­bewer­bern sowie von Studie­renden mit Behin­de­rungen und chro­nischen Erkran­kungen

Rechtsprechung

Nachteilsausgleiche im zweiten juristischen Staats­examen
Anmerkung zu VG Wiesbaden, Beschluss v. 29.04.2025 – 7 L 819/25.Wi

Rechtsprechungsübersicht

Praxis der Rehabilitation

Partizipativ verankert – der Fokusplan Inklusion der Christian-Albrechts­uni­versität zu Kiel

Vom Studium in den Beruf: Übergänge inklusiv gestalten

Aus Forschung und Praxis

Inklusion an Hochschulen und zugang zum Arbeitsmarkt: Perspek­tive der Hoch­schul­forschung

Disability Studies – akut bedroht

Das gemeinsame Positionspapier „Bewertung der Wirksamkeit von Leistungen zur Teilhabe gemäss SGB IX – eine wissen­schaft­liche Standort­bestimmung“

Infothek

Aktuelles aus der Praxis der Rehabilitation

Aus dem Diskussionsforum Rehabilitations- und Teilhaberecht

Veranstaltungen/Webinare

Neuerscheinungen und Literaturempfehlungen


V O R S C H A U

RP Reha 3/2026
Schwerpunkt: Schwerpunkt: Vereinbarkeit trotz Pflege von Angehörigen?!
erscheint im August 2026.


 

RP Reha | Ausgabe 2/2026
60 Seiten
ISSN 2366-7877
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